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Unsere bunte Welt!




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Ein Sommertag, so voller Leichtigkeit und Licht!
Die Schwäne schwelgen heut in Liebeswonne
.
Mensch, freu Dich und vergiss es nicht:
Auch hinter Regenwolken scheint die Sonne.


Foto: Gertrud Everding/Literadies
     

Mein Handy - ein nützliches Geschenk
erzählt von Jürgen Nagorny

Ich hab da neulich was geschenkt bekommen. Von wem? Ja, weiß ich doch nicht. Ist anonym. Ist doch heute so vieles anonym. Selbst die Beerdigung. Ist doch völlig schnuppe, von wem. Es ist jedenfalls ein Geschenk an mich, für mich. Brauchte ich schon lange.
Und auf einmal lag es da und lachte mich an: ein Handy. Ganz oben im Abfallkorb lag es. Und ich wusste sofort: Das ist jetzt meins. Jetzt hab ich endlich auch eins.

Wurde auch Zeit. Stieß mich doch neulich der Walter von der Seite an: Sag mal, was brabbelst du da immer? Ist ja bald peinlich, mit dir auf die Straße zu gehen. Was denken die Leute? Die sagen sich doch bestimmt: Na, der Alte ist doch nicht mehr ganz richtig im Kopf.
Oha! Ich nicht ganz richtig im Kopf? Da wurde ich aber doch ganz wach.
Und Selbstgespräche? Ich? Hatte ich doch noch gar nicht gemerkt. Aber wenn der Walter das so sagte....
Aber das kann mir jetzt gar nicht mehr passieren.

Jetzt hab ich 'n Handy. Jetzt darf ich. Genau wie all die anderen. Ich geh auch auf der Straße, und hab die Hand am Ohr, und dieser Apparat ist da auch noch dabei. Und ich quassel los, so viel wie ich will: Hallo meine Süße! Ja ich bin jetzt hier. Wie geht es dir, mein Schatz? - Na, das freut mich aber. - Ja, mir auch. - Sehn wir uns nachher? - Ja, ich ruf noch mal an. Dann machen wir was ab. Bis dahann! Tschüssie!
Natürlich: das süße Schätzchen ist nur in meinem Kopf und nicht im Netz. Ist doch alles nur Atrappe. Die ganzen Innereien hab ich aus dem Dings doch längst rausgenommen und weggeschmissen. Was soll ich diese Klötze immer rumschleppen? Mein Handy kostet null Euro, von Monatsanfang bis -ende. Und funktioniert immer. Selbst wenn ich 's mal hinschmeiße.

Und das mir keiner zuhört? Ist ja einfach nicht wahr. Man hört mir sehr wohl zu. Ich führ doch solche Gespräche immer dann, wenn - rein zufällig versteht sich - eine attraktive Frau in der Nähe ist. Früher hätte ich wahrscheinlich auch was gemurmelt. Und sie hätte gedacht: Was brabbelt der Alte da? Na, der ist ja dahin. -
Und jetzt? Jetzt denkt sie: Oha, was hat der wohl für 'ne süße Partnerin? Denk, denk, denk - Fantasie! Hätt' ich gar nicht gedacht. So, so. Alle Achtung. Und dann kuckt sie mich an. Ja! Sie kuckt mich an! Und ich kucke sie an!

Na, mal ehrlich: Das ist doch 'ne echte Verbindung! Oder?


 

   
   

 

Naturrein von Leo Knorr

Eine Hamburger Fußballmannschaft folgte 1961 der Einladung in die dänische Hafenstadt Esbjerg, zu einem Spiel gegen eine dortige Mannschaft. Die Hamburger waren überwältigt von der Gastfreundschaft und der großzügigen Bewirtung, die sie in den dänischen Familien erleben durften. Dass die Hamburger das Spiel gewannen, konnte die neu entstandene Freundschaft zwischen Sportlern und Berufskollegen in keiner Weise trüben. Im Gegenteil, nachdem die dänischen Fußballer ein Jahr später zu Gast in Hamburg waren, auch dort das Spiel verloren, aber begeistert von unserer Stadt und dem hier verbrachten Wochenende wieder abreisten, folgten jährliche Treffen im Wechsel bei den Gastgebern in Hamburg und Esbjerg. Auch die Partnerinnen und Kinder nahmen nun daran teil und es gab außer dem Fußballspiel, und den privatfamiliären Treffen an diesen Wochenenden auch eine gemeinsame Feier mit Festmenü, Tanz und in feuchtfröhlicher Stimmung. So, wie auch heute noch nach nunmehr 48 Jahren ! Allerdings ohne Fußball.

Bei den gegenseitigen Besuchen und wegen der damals noch großen Preisunterschiede für diverse Dinge des täglichen Bedarfs, wurden in dem jeweils anderen Land gezielte Einkäufe getätigt oder vorab per Post die Wunschzettel für die mitzubringenden Artikel übermittelt.
Waren für die Hamburger noch Butter, Räucherlachs, Fischmarinaden und Leberpastete von Interesse, so wünschten die Dänen natürlich alkoholische Getränke, aber auch Zucker, Süßwaren und kosmetische Artikel.

Etwa 1980 wurde ich von meinem dänischen Freund gebeten, Dosenbier mitzubringen. Aber "Hanse Bier" sollte es sei. Da mir diese Marke unbekannt war, fragte ich telefonisch bei ihm nach, ob es nicht auch ein anderes Bier sein könne. "Nein, nur Hanse Bier, denn dieses ist naturrein!" Auch mein Hinweis darauf, dass deutsche Biere nach einem Reinheitsgebot gebraut werden und somit naturrein sind, half nicht. Es sollte kein anderes als Hanse Bier sein. Bei Umfragen unter Kollegen erfuhr ich, dass es dieses Bier nur bei "Aldi" und in Dosen zu 0,3 Liter gab und dass es billig aber auch recht bekömmlich sei.

In Dänemark angekommen beglückte ich meinen Freund mit 24 Dosen dieses Bieres. Auf meine Frage, wieso er denn meine, dass dieses Bier besonders naturrein sei, nahm er eine der Dosen in die Hand. Seine Mimik ließ dabei schon sein Insiderwissen erahnen. Und dann deutete er fast triumphierend auf ein kleines rundes, auf die Dose gedrucktes Emblem. Darauf zu sehen war eine grüne Tanne und um diese herum geschrieben die Aufforderung "Halte die Natur rein !" Na dann Skal!

 

     

 

 

 

 

Lob der Enttäuschung

Ein Mensch, den du für gut gehalten,
hat sich ganz anders als gedacht,
gemein und inhuman verhalten
und so Enttäuschung dir gebracht.
Du bist betroffen und verwirrt:
"Hab ich in ihm mich so geirrt?"

Du hast
und bist also enttäuscht.
Und doch, sei froh!
denn was zunächst dich schmerzlich hat betroffen,
ist schließlich doch Gewinn.
Du warst zuvor - wie andre auch -
der Täuschung allzu leicht erlegen,
dass wirklich sei,
was du für wirklich wolltest halten.

Doch nun ist diese Täuschung hin;
du bist ent - täuscht im besten Sinn;
das heißt, was dir an Illusion zerronnen,
hast du - zum Glück - an Wirklichkeit gewonnen.

Hans-Werner Ecker


 

Der Porsche-Bus erzählt von Jürgen Nagorny


Dieter tritt aus dem Haus. Geht zum Kantstein. Da steht sein Liebling. Streicht ihm übers rote Blech. Tschüss mein Lieber. Muss jetzt fremdgehen.
Fremdfahren wäre richtiger. Denn Dieter ist Busfahrer. Darf sich jetzt nicht in den Schalensitz seines geliebten Porsches räkeln. Darf nicht das Gashebelchen da unten kitzeln, bis er abhebt. Darf nicht seinen Sportskörper mit der Hochtechnik vereinigen und rechts und links durch die Kurven zischen. Jetzt nicht. Jetzt nicht.
Jetzt wird er mühsam auf den Kutschbock seines Busses steigen. Wird Fahrscheintasten drücken und Münzen sortieren. Und die Gangschaltung soll machen, was die Automatik vorgesehen hat. Scheißdienst. Scheißbus. Dieter ist Porsche-Pilot mit Porsche-Herz. Und das braucht einen Porschekreislauf mit Porschebeschleunigung. Er wird's dem Bus schon zeigen. So lahm ist der ja auch wieder nicht. Ist doch ein echter Großstadtrenner.
Für flexible Verkehrsströme konstruiert.
Also los denn! Los Automatik! Zeig was du drin hast!
Und er zeigt es allen. Allen, die mit ihm im Bus sind. Auch mir, dem Älteren. Der nicht mehr gut sehen kann. Und deshalb sein Toyota-Herz an den Nagel hängen musste. Eintauschen gegen ein klitzekleines Bus-Herzchen.

Da häng ich nun an einer Stange. In der anderen Hand die schwere Einkaufstüte. Jetzt standhaft bleiben! Nicht umfallen hier. Auch wenn Dieter seinen Frachter gerade in die erste Slalom-Kurve reißt. Die Hand krampft sich fester. Und alle, die hier zur Stange halten, gehen in die Schieflage.
Stopp! Notbremsung! Da kommt einer entgegen. Dieter fuhr ganz links. Wo sollte er sein dickes Schiff auch anders hinlenken, wenn die Fahrrinne hier so schmal ist. Wird meine Hand das durchstehen? Die erholt sich doch gerade von der Verstauchung neulich.
Ruck: Anfahren. Ruck: Vollbremsung. Busbremsen sind immer gut gewartet. Kurve rechts, Kurve links. Dieters Porsche-Herz hüpft. Ich muss auch gleich hüpfen. Von Stange zu Stange. Dem Ausstieg entgegen. Trapez-Künstler muss ich gleich sein:

Jetzt loslassen, und jetzt zupacken. Aber nicht daneben. Und alles ohne Netz. Die älteren Damen in den Logen-Sitzen klappen schon die Augen hoch.
Gibt's gleich 'ne Notlandung auf unserem Schoß? fürchten oder hoffen sie.
So: der Halteknopf ist gedrückt. Ich werde zum Orang-Utan. Meinen Armen wachsen Urwaldkräfte. Da ist die Tür. Sie rattert auf. Dieter, ich habe auch einen Liebling.
Aber nicht aus Blech. Zu dem flieg ich jetzt.

 

   


Zwei Eulen

von Beate Donsbach



In meinem Oberstübchen treffen sich zwei Eulen
die eine aufgedreht, der andern ist zum Heulen.

Die lustige, die Eulalie
tanzt einen Schleiertanz voll Phantasie
global rollt sie auf einem Seil,
sie schwebt, sie dreht sich, ihre Welt ist heil.

Die traurige ist die Eulalia,
verknöchert und versteinert steht sie da,
kein Fliegen mehr - noch nicht mal nach Athen,
sie muss getragen werden, kann kaum stehn.

Die Rippen liegen bloß, am Schlüsselbein
fixiert der Schlüssel - wie gemein!
Sie kann sich nicht damit erschließen.
Die Wirbelsäule an den Füßen.





So wartet sie auf irgendeine Wende,
im Stillen weiß sie schon, es ist das Ende.
Ihr Blick geht starr in die Unendlichkeit,
der Vogelflug liegt hinter ihr - und ihre Zeit.

Die Weisheit - sie hat sie vergessen.
Doch Eulalie ist gradezu besessen
von Schwung und Lust, und frei zu jeder Regung
sie weiß: das Leben lebt nur in Bewegung.

Bewege dich, dein Herz, Verstand und Füße
und spür in dem Erleben neue Süße;
ein jeder Schritt bringt Leichtigkeit und Fülle
und neue Frische in die alte Hülle.


Eulalia
Eulalie

Text und Bilder: Beate Donsbach/Literadies - Bleistiftzeichnungen DIN A2

Bilder: ©"Eulalia und Eulalie"

Zum Vergrößern können Sie die Bilder anklicken.
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. . . und dann hing ich in der Wand

von Gertrud Pforr

"Komm Mamu", lockte meine Tochter, "wir fahren an die Ostsee; wer weiß, wie lange das gute Wetter noch anhält. Wir haben jetzt Ende September, da kann es mit den Sonnentagen auf einmal vorbei sein. Papa ist sowieso auf seinem Prellballtunier, und abends sind wir wieder im Haus!"
Ein Lächeln auf Angelikas Gesicht, sie wusste, wie sehr ich das Meer liebte, ein Blick aus dem Fenster, in den blauen Himmel und ich war überredet.
Ja es wäre ein Frevel, diesen herrlichen Tag ungenutzt verstreichen zu lassen.

Wie so oft, war das Wetter an der See anders, schon etwas herbstlicher, kühler. Zwar schien die Sonne, aber dicke Wolken am Horizont verhießen nichts Gutes. Wir genossen die wärmenden Strahlen und gingen, am Wasser entlang, in Richtung Niendorf der Steilküste zu.
Der Wind wehte böig, die Luft roch nach Salz und wir genossen es, uns mit dem Oberkörper gegen den Wind zu stemmen. Ein tolles Gefühl, die Natur zu spüren!
Spaziergänger kamen uns warm angezogen am Strand entgegen, und einige Reiter ließen ihre Pferde durch das seichte Wasser traben.
Wir hörten Kinderlachen, Hundegebell und Möwengeschrei.
Es war ein Tag zum Wohlfühlen! Wir wanderten weiter am Strand entlang.
Der Sandstreifen wurde schmaler, die Steine an der Küste grösser und die Kletterei mühsamer. Wir befanden uns unterhalb der höchsten Stelle des Brodtener Ufers, der Hermannshöhe.
"Was nun", fragte Angelika, "kehren wir um und laufen zurück?"
Ich streikte: "Nein, nicht den ganzen Weg wieder zurück!"
Irgendwie erschien er mir zu weit und zu mühsam. Eine Strecke reichte mir!
"Aber er wird noch schmaler", warnte sie.
Egal wie, aber ich würde es schaffen! Dann beobachtete ich, wie ein Vater mit seinen zwei Söhnen auf einem schmalen Pfad die Steilküste hinaufging und irgendwo zwischen den Büschen verschwand. Sie schienen wie die Gemsen zu klettern, hielten sich hier an einer Wurzel fest und an anderer Stelle an einem Stein.
Bild: "Brodtener Ufer"
Öl auf Holz 10 x 10 cm von Elfi Bock/Literadies

Aufmerksam sah ich von unten her zu, beobachtete und merkte mir jeden Schritt und wusste, wenn ich diesen Weg ging, dann würde ich es schaffen. Der Weg verlief in einer kleinen Schräge, scheinbar ohne große Schwierigkeiten, war also zu erklettern. Früher hatte ich mich doch nicht einmal vor scheinbar unlösbaren Aufgaben gescheut, warum jetzt?
"Also dann", resignierte meine Tochter, "Mamu, "du hast es nicht anders gewollt, da mußt du jetzt durch!"

Sie wandte sich der Wand zu, und begann mit dem Aufstieg. Vorsichtig tastend, mit Händen und Füßen nach Halt suchend, ging sie den steilen Weg nach oben und ich hinterher!
Am Anfang fiel es mir nicht schwer, ihr zu folgen, Hände und Füße fanden Halt, aber dann...
Zu allem Unglück fing es auch noch an zu regnen, und aus dem bis dahin festen Boden wurde eine rutschige, glitschige Masse, die kaum Halt bot. Es musste weiter gehen, ich musste weiter gehen, und mir blieb nur der Weg nach oben, musste festen Tritt suchen, Halt suchen für die Hände und mich hochziehen, so gut es ging!

Ich biss die Zähne zusammen, hatte eine Scheißangst und machte mir immer wieder Mut! Welcher Teufel hatte mich nur geritten, in einer zwanzig Meter hohen Wand herumzukraxeln, in der es nicht nur gefährlich ist, sondern auch verboten, sich dort aufzuhalten. Zu meiner Ehre möchte ich gestehen, ich wusste es nicht! Ich hatte von diesem Verbot niemals gehört, aber wie heißt es doch? Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Meine Angst, so schien es mir, war für mich Strafe genug! Ich bin mir sicher, wäre der Vater mit seinen Söhnen nicht gewesen, vielleicht wäre ich nie auf die Idee gekommen, solch ein Risiko einzugehen. Aber erst einmal hing ich dort oben in der Wand, wie ein Sack Kartoffeln, hilflos zwischen Himmel und Erde, zwischen Oben und Unten, und jederzeit musste ich damit rechnen, den Halt zu verlieren. Meine Jacke, meine Hose waren völlig verdreckt, aber es war mir egal, ich wollte nur nach oben. Und dann - oh Wunder - hatte ich es geschafft!
Angelika reichte mir ihre Hand, noch ein, zwei Schritte - . Hurra! Fester Boden hatte mich wieder. Wie war ich glücklich und dankbar! Eines aber weiß ich genau, so etwas Leichtsinniges werde ich mir nie wieder leisten, und kann nur jeden davor warnen!


10. 06. 2008


Das Gleichheitsprinzip

Ein Mann ging einst zum Orthopäden
und wusste, der behandelt jeden.
Am Tresen wurde er gefragt,
was er denn hat und was ihn plagt.
Es sei der Rücken, wie es schien,
und er braucht dringend 'nen Termin.

Die Dame blättert im Kalender,
Juli - August - ja - im September!
Der Mann beugt sich nach vorn und kichert:
"Hör'n Sie, ich bin privat versichert!"
Darauf die Dame ohne Grollen:
"Das hätten Sie doch sagen sollen.
Dann hab ich morgen um halb drei
einen Termin für Sie noch frei."
Sie sah, dass sich der Mann nicht freute
und fragte: "Oder lieber heute?"

Leo Knorr
Februar 2009

 
Der Knopf

Ein Knopf sitzt jahrelang adrett
Am linken Ärmel vom Jackett.
Doch leider hat man ihm daneben
kein echtes Knopfloch beigegeben.
Weil solchermaßen nichts passiert,
zeigt er sich äußerlich frustriert
und wäre - um was anzufangen,
am liebsten einfach abgegangen.

Ein Knopf, das weiß man aus Erfahrung,
kommt ohne Knopfloch nicht zur Paarung.
Woher - so frag ich mich beklommen -
Soll'n dann die kleinen Knöpfe kommen?

Leo Knorr
Februar 2009

Ein Knopfloch

Ein Knopfloch saß - wie andere auch -
in einem Hemd, ganz vorn am Bauch.
Und es bemerkte voller Gram,
dass ihm der Knopf abhanden kam.
Er war bei einem Unterfangen
im Rausch der Sinne abgegangen
und wurde - wie es halt so geht -
an falscher Stelle angenäht.
Und zwar an einem andern Hemd,
das Knopfloch glaubte, er geht fremd,
und wies ihn ab mit böser Miene
beim Treffen in der Waschmaschine.
Das Knopfloch hat - wie mir berichtet -
am Ende auf den Knopf verzichtet,
und dieser fand ein spätes Glück
an einem alten Wäschestück.

Leo Knorr
Februar 2009

 
   

Liebste Renate, mein liebes Schätzchen,


ich kann dich per Handy leider nicht erreichen, darum schreibe ich dir heute mal einen Brief. Ich hoffe, dass du dich auf deiner Kreuzfahrt richtig gut amüsierst und du trotz deiner Mama ordentlich Spaß hast.
Mir geht es auch gut; allerdings ist viel los . Ich renoviere das ganze Haus, das hast du dir ja von mir für deine Rückkehr so gewünscht. Leider ist mir gestern beim Ausräumen des Wohnzimmerschrankes die Kristallvase von Tante Hedwig aus der Hand gefallen und war in 1000 Scherben. Kannst du mir das nochmal verzeihen? Ich weiß, wie du daran hängst.
Ich wollte auch die Lampe abnehmen, um besser die Decke streichen zu können. Dabei bin ich von der Leiter gestürzt und habe meine rechte Hand gebrochen, die ist jetzt in Gips. Meine Brille ging auch dabei kaputt, nun mach ich alles ohne und mit links, das geht ganz flott und die kleinen Schnitzer seh' ich gar nicht.
Zum Glück kam deine Nichte Hella. Eigentlich wollte sie ja den Hund und die Mieze abholen, aber als sie sah, dass ich Hilfe brauchte, haben wir die Tiere ins Tierheim gebracht und Hella blieb gleich hier; was soll sie auch jeden Tag von Bergedorf hierher kommen! Sie schläft in deinem Bett, das ist dir doch recht, oder?
Hella ist wirklich " von Grund auf frisch", da hat die Reklame absolut Recht. Wir machen jetzt alles zusammen. Gott sei Dank hast du ja mit den Lebensmitteln gut vorgesorgt, da kann man nicht verhungern. Ich finde es auch ganz lieb von dir, dass du auf die Konservendosen so nette Bilder von Hasso und der Mieze geklebt hast, so denke ich doch an sie, auch wenn sie vielleicht schon einen neuen Besitzer haben.

Übrigens schmecken mir die Dosen mit Miezes Bild am besten, da ist das Fleisch weicher und ich kann es besser essen, weil mir doch vor ein paar Tagen mein neues Gebiss in den Gully gefallen ist, als ich das Altöl vom Ölwechsel darein gekippt habe und nießen musste. Nun muss ich erst mal warten, bis die Krankenkasse mir ein neues spendiert.
Hella und ich haben auch angefangen, den Boden auszubauen. Dabei ist leider ein Balken eingestürzt und mit ihm das vordere Dach. Da haben wir jetzt eine Plane drüber gespannt und lassen das jetzt so, bis du wieder hier bist.


Auch die alte Treppe habe ich gleich mit rausgehauen, da soll ein Fahrstuhl hin.
Es soll ja alles Barriere -frei werden, damit deine Mutter sich bei uns wohlfühlen kann. Bis das fertig ist , kann sie auf der Coach schlafen, da habe ich jetzt wasserfestes Segeltuch drauf gemacht. Du kannst ja dann solange eine Hängematte nehmen, weil Hella ihre Wohnung kündigen und hier bleiben will.
Ich finde, dass unser schnuckeliges Heim jetzt richtig modern wird: allein schon von den Farben her. Im Wohnzimmer habe ich ein Kaffeebraun gestrichen, mit gelben Flecken. Das hat jetzt richtig was von Dschungelcamp. Es sind auch schon wieder ein paar Spinnen da, weil wir Naturfarbe ohne Chemie genommen haben.

Das Badezimmer wird schwarz - grün, da sieht man den Schimmel nicht so . Jetzt bin ich gerade bei der Küche. Hella hat alle abgelaufenen Lebensmittel aus dem Kühlschrank und der Tiefkühltruhe mit Kleister zusammen gerührt, das sieht Spitze aus. Hättest du gedacht, dass Ketchup dem Ganzen ein tolles Rostrot gibt? Jetzt kann es ruhig spritzen beim Braten, das fällt gar nicht auf.
Gestern haben wir Garagenflohmarkt gemacht, du glaubst nicht, wie begeistert die Leute waren und es kamen auch immer mehr. Deine Pelze und Abendklamotten waren weg wie nix, wo ja auch alles nur 1€ kostete!
Als ich deinen Schmuck noch holen wollte, stellte ich fest, dass der Koffer leer war. Hast du den vielleicht mitgenommen ? Wir hatten allerdings neulich auch mal ein paar Tage keine Haustür, weil ich jetzt eine neue aus Glas mit eingelassenem Stacheldraht habe , übrigens wie auch die Klobrille; da könnte theoretisch jemand den Koffer ausgeräumt haben . Aber was soll's, du wirst das schon verschmerzen.
Den Garten habe ich auch schon umpflügen lassen, die Arbeit mit den Beeten und dem Teich war dir ja immer zu viel. Da kommt jetzt Mais hin, den verkaufen wir für Bio -Strom, sollst mal sehn, wie reich wir dann werden . Das machen die Bauern jetzt alle so.
So , mein Schnuckelchen, nun weißt du Bescheid. Ich hatte dir ja bei deiner Abreise versprochen, dass ich mich ändern wollte und endlich was im Haus tun würde. Da wirst du dich doch sicher freuen!
Hella und ich freuen uns auch schon auf dich und auf die Augen, die du machen wirst! An meine zahnlosen Küsse gewöhnt man sich schnell, sagt Hella.

Tschüss mein Täubchen, bis bald,
dein Täuberich.

Beate Donsbach, 13. 11 2010

 

     
     
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